Dass Backofen und Computer Wärme erzeugen, merkt man im Sommer sofort. Doch wie groß ist der Effekt wirklich? Steigt die Raumtemperatur nur um wenige Zehntelgrade – oder können Elektrogeräte ein Zimmer um mehrere Grad aufheizen?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Raumgröße, Wände, Möbel, Lüftung und Außentemperatur beeinflussen das Ergebnis erheblich. Mit einer vereinfachten Modellrechnung lässt sich die Größenordnung aber gut abschätzen.
Bei einem Computer wird nahezu die gesamte aufgenommene elektrische Energie früher oder später in Wärme umgewandelt. Das gilt für Prozessor, Grafikkarte, Monitor und Netzteil.
Ein Computer mit einer Leistungsaufnahme von 200 Watt gibt daher ungefähr so viel Wärme an den Raum ab wie eine kleine elektrische Heizung mit 200 Watt.
Beim Backofen ist es ähnlich: Ein Teil der Energie erwärmt zunächst das Essen und das Gerät. Diese Wärme gelangt anschließend größtenteils ebenfalls in die Küche. Nur ein Teil wird über Abluft, Wände und angrenzende Räume abgeführt.
Die grundlegende Rechnung lautet:
Energie in Kilowattstunden = Leistung in Kilowatt × Betriebsdauer in Stunden
Ein Gerät mit 200 Watt Leistung verbraucht in fünf Stunden:
0,2 kW × 5 Stunden = 1 kWh
Diese Kilowattstunde landet letztlich fast vollständig als Wärme in der Wohnung.
Theoretisch könnte man zunächst nur die Raumluft betrachten. Ein Zimmer mit 20 Quadratmetern Fläche und 2,5 Metern Höhe enthält ungefähr 50 Kubikmeter Luft.
Um diese Luft um ein Grad zu erwärmen, werden nur rund 0,017 Kilowattstunden benötigt. Eine Kilowattstunde würde die isolierte Luft rechnerisch also um fast 60 Grad erwärmen.
Das passiert in der Praxis natürlich nicht. Denn nicht nur die Luft nimmt Wärme auf, sondern auch:
Gleichzeitig geht ständig Wärme durch Lüftung und Wärmeleitung verloren. Deshalb steigt die tatsächliche Raumtemperatur wesentlich langsamer.
Für die folgenden Beispiele nehmen wir an:
Diese Werte sind keine allgemeingültigen Messwerte. Sie bilden ein vereinfachtes Beispiel für eine normal eingerichtete Wohnung. Ein leichter Dachgeschossraum kann schneller warm werden, während ein massiver Altbau deutlich mehr Wärme speichert.
Die Anschlussleistung eines Backofens liegt häufig bei mehreren Kilowatt. Er läuft jedoch nicht während des gesamten Backvorgangs mit voller Leistung. Sobald die gewünschte Temperatur erreicht ist, schaltet die Heizung immer wieder ein und aus.
Für einen typischen Backvorgang von etwa einer Stunde rechnen wir mit einem Energieverbrauch von:
1,2 kWh
Davon bleiben nach unserer Annahme zunächst 60 Prozent als wirksame Wärme im betrachteten Bereich:
1,2 kWh × 0,6 = 0,72 kWh
0,72 kWh ÷ 0,5 kWh pro Grad = 1,44 °C
In unserem Modell erhöht ein Backvorgang die Temperatur einer geschlossenen Küche somit um rund 1,4 Grad.
0,72 kWh ÷ 1,5 kWh pro Grad = 0,48 °C
Verteilt sich die Wärme auf die ganze Wohnung, liegt der rechnerische Anstieg bei ungefähr 0,5 Grad.
In einer kleinen Küche kann der tatsächliche Effekt zunächst deutlich stärker spürbar sein. Besonders viel Wärme gelangt in den Raum, wenn die Backofentür nach der Nutzung geöffnet wird.
Ein Laptop benötigt bei normaler Büroarbeit zusammen mit einem externen Bildschirm beispielsweise rund 80 Watt.
Bei acht Stunden Nutzung ergibt sich:
0,08 kW × 8 Stunden = 0,64 kWh
Wirksame Wärme nach unserer Modellannahme:
0,64 kWh × 0,6 = 0,384 kWh
Für das 20-m²-Zimmer ergibt sich:
0,384 kWh ÷ 0,5 kWh pro Grad = 0,77 °C
Ein Arbeitsplatz mit Laptop und Monitor kann das geschlossene Zimmer im Laufe eines Arbeitstags demnach rechnerisch um knapp 0,8 Grad erwärmen.
Der Laptop allein ist also keine riesige Wärmequelle. Zusammen mit einer Person, Monitoren, Beleuchtung und Sonneneinstrahlung kann der Unterschied dennoch deutlich spürbar werden.
Für einen Büro-PC mit Monitor nehmen wir eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 180 Watt an.
Bei acht Stunden Betrieb:
0,18 kW × 8 Stunden = 1,44 kWh
Davon bleiben im Modell 60 Prozent wirksam:
1,44 kWh × 0,6 = 0,864 kWh
Temperaturanstieg im 20-m²-Zimmer:
0,864 kWh ÷ 0,5 kWh pro Grad = 1,73 °C
Ein dauerhaft genutzter Desktop-PC mit Bildschirm könnte den Raum in unserem Beispiel also um etwa 1,7 Grad erwärmen.
Über die gesamte 60-m²-Wohnung verteilt wären es rechnerisch rund:
0,864 kWh ÷ 1,5 kWh pro Grad = 0,58 °C
Ein leistungsstarker Gaming-PC kann zusammen mit großem Monitor unter Last schnell 500 bis 600 Watt aufnehmen.
Wir rechnen mit 550 Watt über vier Stunden:
0,55 kW × 4 Stunden = 2,2 kWh
Wirksame Wärme:
2,2 kWh × 0,6 = 1,32 kWh
Temperaturanstieg im 20-m²-Zimmer:
1,32 kWh ÷ 0,5 kWh pro Grad = 2,64 °C
Vier Stunden Gaming könnten ein geschlossenes Zimmer in unserem Modell somit um rund 2,6 Grad aufheizen.
Das erklärt, warum kleine Gaming- und Arbeitszimmer selbst am Abend noch deutlich wärmer als der Rest der Wohnung sein können.
| Gerät und Nutzung | Energieverbrauch | Temperaturanstieg im 20-m²-Zimmer | Temperaturanstieg in der 60-m²-Wohnung |
|---|---|---|---|
| Backofen, etwa 1 Stunde | 1,2 kWh | ca. 1,4 °C | ca. 0,5 °C |
| Laptop und Monitor, 8 Stunden | 0,64 kWh | ca. 0,8 °C | ca. 0,3 °C |
| Büro-PC und Monitor, 8 Stunden | 1,44 kWh | ca. 1,7 °C | ca. 0,6 °C |
| Gaming-PC und Monitor, 4 Stunden | 2,2 kWh | ca. 2,6 °C | ca. 0,9 °C |
Die Werte sind Modellrechnungen. Bei geöffneten Türen verteilt sich die Wärme stärker. Offene Fenster, massive Wände oder kühlere angrenzende Räume reduzieren den Temperaturanstieg.
In einem schlecht gedämmten Dachgeschoss, einem sehr kleinen Raum oder während einer längeren Hitzeperiode kann die Erwärmung dagegen stärker ausfallen.
Kurzfristig ist der Backofen die stärkere Wärmequelle. Innerhalb einer Stunde kann er mehr als eine Kilowattstunde Energie in die Küche einbringen.
Ein Computer läuft dafür oft wesentlich länger. Ein Desktop-PC, der einen ganzen Arbeitstag genutzt wird, kann insgesamt ähnlich viel oder sogar mehr Wärme erzeugen als ein einzelner Backvorgang.
Ein leistungsstarker Gaming-PC kann den Backofen über mehrere Stunden beim gesamten Energieverbrauch sogar übertreffen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur die Leistung, sondern auch die Betriebsdauer.
Eine sitzende Person gibt grob die Wärmeleistung einer kleinen Glühlampe an ihre Umgebung ab. In einem besetzten Büro kommen dadurch zusätzliche Wärmequellen zusammen.
Zwei Personen, zwei Computer und mehrere Monitore können über einen Arbeitstag mehrere Kilowattstunden Wärme erzeugen. In einem kleinen Raum ohne ausreichenden Luftaustausch ist das deutlich spürbar.
Hinzu kommen möglicherweise:
An heißen Tagen bieten sich kalte Speisen, kurze Kochvorgänge oder das Kochen am frühen Morgen an. Kleine Portionen lassen sich teilweise energiesparender in einer Mikrowelle oder einem kleineren Gerät erwärmen.
Nach dem Backen sollte die Tür nicht absichtlich geöffnet werden. Der Ofen kühlt auch bei geschlossener Tür ab, gibt die Wärme dann aber langsamer an den Raum ab.
Reduziere unnötig hohe Leistungsprofile und lasse Computer nicht stundenlang ohne Nutzung weiterlaufen. Besonders Gaming-PCs können auch im Leerlauf deutlich mehr Energie benötigen als ein Laptop.
Große und sehr helle Bildschirme erzeugen zusätzliche Wärme. Werden sie gerade nicht benötigt, sollten sie vollständig ausgeschaltet werden.
Sobald es draußen kühler ist als in der Wohnung, kann die gespeicherte Wärme durch Querlüftung abgeführt werden. Ein Ventilator am Fenster beschleunigt den Luftaustausch.
Wird in der Küche gebacken oder im Arbeitszimmer ein leistungsstarker Computer genutzt, kann eine geschlossene Tür verhindern, dass sich die Wärme sofort in der ganzen Wohnung verteilt.
Backofen und Computer sind im Sommer keineswegs unbedeutende Wärmequellen. In einem kleinen, geschlossenen Raum kann ein Backvorgang die Temperatur rechnerisch um mehr als ein Grad erhöhen.
Ein Büro-PC bringt über einen Arbeitstag eine ähnliche Wärmemenge in den Raum. Ein leistungsstarker Gaming-PC kann bei längerer Nutzung sogar für mehrere Grad zusätzliche Erwärmung sorgen.
Die genaue Temperatur hängt stark vom Gebäude und vom Lüftungsverhalten ab. Die wichtigste Erkenntnis bleibt jedoch:
Fast jede Kilowattstunde Strom, die du in der Wohnung verbrauchst, landet früher oder später als Wärme im Raum.
Wer seine Wohnung im Sommer kühl halten möchte, sollte deshalb nicht nur Fenster und Sonnenschutz beachten, sondern auch unnötige elektrische Wärmequellen reduzieren.
Nahezu die gesamte aufgenommene elektrische Energie endet als Wärme im Raum. Auch Energie, die zunächst für Berechnungen, Licht oder Bewegung genutzt wird, wird letztlich überwiegend in Wärme umgewandelt.
In unserem vereinfachten Modell erhöht ein Backvorgang mit 1,2 kWh Verbrauch die Temperatur einer geschlossenen 20-m²-Küche um ungefähr 1,4 Grad. Der tatsächliche Wert hängt stark von Raum und Lüftung ab.
Ja. Ein Gaming-System mit 500 Watt Leistungsaufnahme gibt ungefähr so viel Wärme ab wie ein elektrisches Heizgerät mit 500 Watt.
Ein einzelner Laptop erzeugt vergleichsweise wenig Wärme. Bei ganztägiger Nutzung zusammen mit Monitor und Person kann der Effekt in einem kleinen Raum dennoch spürbar sein.
Im Sommer besser nicht. Dadurch gelangt die gespeicherte Wärme besonders schnell in die Küche. Bei geschlossener Tür wird sie langsamer abgegeben und kann später leichter weggelüftet werden.